Jede Woche ein Beispiel dafür, wie ein anderer Maßstab dasselbe Urteil kippt. Die Serie erscheint zuerst auf LinkedIn und wird hier dauerhaft archiviert. Bisher 19 Folgen seit dem 13. Juni 2026.
Black Friday: Rabatt gegen welchen Preis?
Folge 19 · 16. Oktober 2026
Black Friday verspricht Rabatte bis zu 70 Prozent, doch bei 42 Prozent der Artikel war der Preis im Oktober davor genauso hoch oder höher, so eine Analyse von guenstiger.de. Beworbene Rabatte rechnen gegen eine durchgestrichene UVP oder einen kurz vorher angehobenen „Normalpreis“, nicht gegen den zuletzt gezahlten Preis. Die bessere Frage: Was hat das Produkt vor ein paar Wochen tatsächlich gekostet?
Die Exporte im August 2026 lagen laut Destatis bei rund 133,8 Milliarden Euro: gegenüber Juli minus 0,8 Prozent, gegenüber August 2025 plus 6,2 Prozent. Beide Zahlen stammen aus derselben Meldung, der Unterschied liegt allein im gewählten Vergleichszeitraum. Die bessere Frage: Auf welchen Zeitraum bezieht sich die Prozentzahl, und beantwortet sie meine Frage?
Importpreise plus 8,3 Prozent: Was steckt in der Gesamtzahl?
Folge 17 · 9. Oktober 2026
Die Importpreise stiegen im August 2026 laut Destatis um 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Allein die Energie wurde um 43 Prozent teurer, ohne Energie bleiben 5,1 Prozent übrig. Die bessere Frage: Welche Teilgruppe treibt die Gesamtzahl, und betrifft sie das, worüber gerade gesprochen wird?
Finanzvermögen der Bundesländer: Prozent oder pro Kopf?
Folge 16 · 25. September 2026
Das öffentliche Finanzvermögen der Bundesländer wuchs 2025 laut Destatis um 8,2 Prozent, Bremen legte 28 Prozent zu, Nordrhein-Westfalen verlor 6 Prozent. Die Rangliste vergleicht 16 Länder sehr unterschiedlicher Größe mit demselben Prozentzeichen. Die bessere Frage: Wie verändert sich das Finanzvermögen pro Einwohner?
Großhandelspreise plus 6,8 Prozent: Was treibt die Zahl?
Folge 15 · 19. September 2026
Die Großhandelspreise lagen im August 2026 laut Destatis 6,8 Prozent über dem Vorjahr. Zwei Rohstoffgruppen ziehen den Durchschnitt nach oben, Mineralölerzeugnisse mit plus 36,1 Prozent und NE-Metalle mit plus 27,4 Prozent, während etwa Milchprodukte und Fleisch billiger wurden. Die bessere Frage: Welche Warengruppe treibt die Zahl?
Exportüberschuss auf die Nachkommastelle: Wie sicher ist die Zahl?
Folge 14 · 11. September 2026
Der Exportüberschuss im Juli 2026 wurde auf die Nachkommastelle genau gemeldet: 21,3 Milliarden Euro. In der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts steht, dass es vorläufige Ergebnisse sind, die endgültigen folgen erst zwei Wochen später. Die bessere Frage: Ist das schon die endgültige Zahl oder nur die erste Schätzung?
Die Inflationsrate lag im August 2026 laut Destatis bei 2,9 Prozent, einen Zehntelpunkt höher als im Juli, und schon war von Trendwende die Rede. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel blieb bei 2,4 Prozent, die ganze Bewegung steckte in der Energie. Die bessere Frage: Gesamtindex oder Kernrate, und welche beschreibt, worüber gerade gesprochen wird?
Staatsdefizit 3,1 Prozent: Reißt Deutschland die Maastricht-Grenze?
Folge 12 · 28. August 2026
Das Finanzierungsdefizit des Staates lag im ersten Halbjahr 2026 laut Destatis bei 3,1 Prozent des BIP, und mehrere Medien titelten, Deutschland reiße die 3-Prozent-Grenze. Die Grenze gilt aber für das Kalenderjahr, nicht fürs Halbjahr. Die bessere Frage: Wie sah das erste Halbjahr der Vorjahre aus, und was wurde daraus am Jahresende?
Baugenehmigungen plus 15,1 Prozent: Trendwende oder schwaches Vorjahr?
Folge 11 · 21. August 2026
Die Baugenehmigungen stiegen im ersten Halbjahr 2026 laut Destatis um 15,1 Prozent, der stärkste Anstieg seit 2016. Verglichen wird mit einem Vorjahr, in dem so wenige Wohnungen genehmigt wurden wie seit Jahrzehnten nicht, der Basiseffekt wirkt kräftig mit. Die bessere Frage: Wächst hier etwas, oder wird nur ein besonders schwaches Vorjahr überboten?
Dax-Rekordgewinn: nominal ein Rekord, real vermutlich nicht
Folge 10 · 14. August 2026
Die Dax-Konzerne sollen 2026 einen Rekordgewinn von 127,7 Milliarden Euro erzielen, nach 123,5 Milliarden im Rekordjahr 2021 (Handelsblatt Research Institute und EY). Nominal ist das ein Plus, doch die Verbraucherpreise stiegen seit 2021 laut Destatis in Summe um rund 23 Prozent. Die bessere Frage: Ist mit dem Betrag heute mehr oder weniger zu kaufen als mit dem alten Rekord?
In Deutschland gibt es noch 1.415 Brauereien, 137 weniger als im Rekordjahr 2019 (Destatis). Doch 2019 war selbst ein Ausreißer nach oben, wer gegen diesen Höchststand misst, wählt den größtmöglichen Kontrast. Die bessere Frage: Wie sähe der Rückgang gegen den Durchschnitt der letzten zwanzig Jahre aus?
VW und der Dax: Wie groß ist die Autoindustrie wirklich?
Folge 8 · 31. Juli 2026
„Wenn VW hustet, hat Deutschland Fieber“, so klingt die Debatte, dabei ist VW keine 3 Prozent des Dax wert. BMW, Mercedes und VW kommen zusammen auf etwa 140 Milliarden Euro, alle Dax-Unternehmen auf rund 2 Billionen. Die bessere Frage: Welche Unternehmen tragen wirklich das meiste Gewicht, wenn wir über die deutsche Wirtschaft sprechen?
Plus 32 Prozent mehr Sterbefälle in einer einzigen Woche, so lief die Zahl durch jede Meldung zur Hitzewelle Ende Juni. In derselben Destatis-Meldung steht plus 9 Prozent für dasselbe Ereignis. Der Unterschied liegt im Vergleichszeitraum: einmal die letzte Juniwoche, einmal der ganze Monat, beide gemessen am Schnitt der vier Vorjahre. Je enger das Fenster um die heißen Tage liegt, desto größer die Zahl. Die bessere Frage vor der nächsten Prozentzahl: Gegen welchen Zeitraum wird hier verglichen, und warum gegen diesen?
Eine Umfrage titelt „AfD minus zwei Punkte“, doch vier andere Institute messen zeitgleich 26, 27, 27 und 28 Prozent für dieselbe Partei. Gemessen wurden nicht 60 Millionen Wählerinnen und Wähler, sondern zwei Stichproben von je rund 1.000 bis 2.500 Befragten, mit einer Fehlermarge von zwei bis drei Prozentpunkten. Eine gemeldete Veränderung von zwei Punkten liegt damit vollständig innerhalb dieser Spanne, kaum von echtem Stillstand zu unterscheiden. Die bessere Frage vor jeder Schlagzeile: Ist die Veränderung größer als die Fehlermarge, oder berichten wir über den Zufall?
„KI vernichtet Jobs“, oder wächst die Beschäftigung gerade dort am stärksten?
Folge 5 · 10. Juli 2026
Eine PwC-Auswertung von über einer Milliarde Stellenanzeigen zeigt: Bei den am stärksten KI-exponierten Unternehmen wuchs die Beschäftigung um 52 Prozent, bei den am wenigsten exponierten nur um 36. Was fehlt, ist die Blickrichtung. Der Befund entkräftet „KI killt Jobs“, belegt aber nicht das Spiegelbild „KI rettet Jobs“, denn wachsende Unternehmen setzen ohnehin früher auf KI. Die bessere Frage: Wächst die Beschäftigung wegen der KI, oder setzen wachsende Unternehmen einfach früher auf sie?
13,3 Millionen gehen bis 2040 in Rente, kollabiert der Arbeitsmarkt?
Folge 4 · 3. Juli 2026
13,3 Millionen Erwerbspersonen erreichen bis 2040 das gesetzliche Rentenalter, klingt als verschwände ein Drittel der Arbeitskräfte fast über Nacht. Tatsächlich verteilt sich das auf 15 Jahre, macht rund 890.000 pro Jahr, und ist zudem nur eine Brutto-Zahl: Ältere arbeiten länger, Jüngere und Zugewanderte rücken nach. Die bessere Frage lautet nicht „wie viele gehen“, sondern „wie viele fehlen netto pro Jahr“, nachdem längeres Arbeiten, Zuwanderung und Nachrücker gegengerechnet sind.
95.100 neue Stellen im öffentlichen Dienst, Wucherung oder 1,8 Prozent?
Folge 3 · 26. Juni 2026
95.100 neue Stellen im öffentlichen Dienst klingen nach Behördenwucherung. Bezogen auf rund 5,5 Millionen Beschäftigte sind es 1,8 Prozent, der Anteil am gesamten Arbeitsmarkt bleibt bei etwa 12 Prozent. Eine Absolutzahl ohne Nenner kann jede Veränderung dramatisch aussehen lassen, erst der Anteil zeigt, ob etwas wuchert oder einfach mitwächst. Die bessere Frage lautet nicht „wie viele mehr“, sondern „wie viel Prozent, und wo“, denn der Zuwachs steckt fast vollständig in Schulen, Kitas und Hochschulen.
Wasserabsatz in der Hitzewelle: 77 Prozent mehr, aber wovon?
Folge 2 · 31. Juli 2026 (nachgeholt)
Während der Hitzewelle Ende Juni wurde laut Destatis 77 Prozent mehr stilles Wasser gekauft als in einer durchschnittlichen Sommerwoche der letzten drei Jahre. Eine Prozentzahl ohne Basiswert lässt sich nicht einordnen, sie klingt nur dramatisch. Die bessere Frage: Wie groß war die Basis, auf die sich das Prozent bezieht?
332.500 Einbürgerungen, Rekord oder nur ein größerer Topf?
Folge 1 · 13. Juni 2026
332.500 Einbürgerungen 2025 sind der höchste Stand seit Beginn der Statistik im Jahr 2000, meldet Destatis. Was fehlt, ist die Referenzklasse: Wie viele Einbürgerungsberechtigte gibt es überhaupt, und wie stark ist diese Gruppe seit 2015 gewachsen? Ein absoluter Rekord misst dann oft nur, dass der Topf größer wurde, aus dem eingebürgert wird. Die bessere Frage: Wie hoch ist die Einbürgerungsquote je 100 Berechtigte, denn erst dieser Anteil zeigt, ob wirklich mehr Menschen den Schritt gehen.